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Nicht aufgelöste Abhängigkeit, das Verhaftet-Sein in der machtvollen Symbiose mit der Mutter, führt dazu, dass die Identitätsbildung als Frau blockiert wird. Das Lebensthema der Mutter ist mit dem Lebensthema der Tochter eng verflochten. Um die Mutter zu heilen, sie an ihrem schmerzlichsten Punkt zu schützen, verzichtet die Tochter auf die Entwicklung wichtiger Persönlichkeitsanteile. Stattdessen übernimmt sie eine spezielle Rolle in der Beziehung zur Mutter, mit der sie die Defizite der Mutter auszugleichen versucht. Mit diesem Bedürfnis nach einer „heilen“ Mutter, übernimmt die Tochter nicht nur die fehlende Rolle für die Mutter, sondern entwickelt darüber hinaus diese fehlenden Anteile der Mutter bei sich selbst. So versorgt sich das Kind einerseits selbst und bietet gleichzeitig der Mutter ein Model an. Wir sprechen in diesem Zusammenhang von der Erschaffung einer „Scheinmutter“.
 

Was zunächst nur als Notprogramm im Dienste der Selbsterhaltung gedacht war, setzt jedoch ungeheure Kräfte und ein Feuer der engagierten Leidenschaftlichkeit frei, die das Kind und später auch die Erwachsene dazu bringt, jedes erdenkliche Opfer zu bringen, das ganze eignen Sein und Tun in den Dienst dieser genialen Erfindung zu stellen. Diese in frühen Tagen konstruierte Scheinlösung sicherte zwar die Weiterentwicklung des Kindes, führte aber zwangsläufig zur Entstehung omnipotenter Instanzen mit deren negativen Auswirkungen für das eigene Selbst. Der menschliche Organismus gerät aus der Balance, eine „harmonische Persönlichkeit“ kann sich nicht mehr herausbilden. Das Kind, die Erwachsene erlebt dieses jedoch nicht als Schein sondern als ein „So bin ich“. Diese Illusion muss erkannt werden, die darin enthaltenen, ausgelagerte Kraft und Fähigkeit als Eigenes angenommen und reintegriert werden. Dieser Prozess fühlt sich wie ein „Mord“, ein Verrat an der Mutter an. Doch nur so kann sich der Schatten, der auf dem Weg zum Selbst liegt auflösen und das authentische Selbst kann sich entfalten.


Die Auflösung des Treuevertrages findet in vier Schritten statt:
Seminar I : Die Aufdeckung und Entschlüsselung des entscheidenden Konfliktpunktes zwischen Mutter und Tochter mit Methoden verschiedener Therapierichtungen. Auf diese Weise wird die Bedeutung des Konfliktes für das eigene individuelle Erleben als Frau sichtbar, begreifbar und verstehbar.


Seminar II: Beim Aufdecken der unbewussten Delegationen, Aufträge und Botschaften der weiblichen Linie in der Herkunftsfamilie werden deren tiefgreifende Auswirkungen auf das eigene Sein, bzw. Lebensschicksal erfahrbar. Die Rückgabe der weitergebenen Delegationen und Aufträge bedeutet einen ersten Befreiungsschritt.


SeminarIII: Zum Schutz der Mutter opfert die Tochter die Entwicklung wesentlicher Persönlichkeitsanteile und entwickelt eine Scheinidentität. Dieses Opfer wird bewusst gemacht, aufgegeben und dann reintegriert.


Seminar IV: Die aufgebaute Scheinidentität wird als umfassende Überlebensstrategie erfahrbar gemacht und verabschiedet. Um die Mutter als Leitfigur loszulassen und ein unabhängiges Leben als Frau zu führen, muss der Gewinn der aus der Erschaffung der Scheinidentität erwachsen ist, aufgegeben werden. Der Weg zur echten Identitätsentwicklung ist frei.


Abb: Isis, ägyptische Göttin, Symbol der Weiblichkeit. Die Kuhhörner(Fruchtbarkeitssymbol) haben die Form eines Halbmondes (ebenfalls ein weiblich belegtes Symbol) und umschließen ein männliches Sonnensymbol. Die Frau mit integrierten weiblichen und männlichen Anteilen(Anima und Animus).

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