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Der „unfreiwillig“ frühe, aber unabdingbare, natürliche „Verlust“ der Mutter als Identifikationsobjekt des männlichen Kindes, erzwingt die existenziell notwendige Hinwendung zum Vater.

Diese machtvolle Dynamik in der Vater-Sohn-Beziehung führt bei nicht aufgelöster Abhängigkeit zu einer Blockierung beim Aufbau der ganz eigenen Identität als Mann. Die tiefe Sehnsucht nach einem“heilen“ Vater führt dazu, dass der Sohn die für den Vater fehlende Rolle, ja, sogar darüber hinaus diese fehlenden Anteile des Vaters selbst entwickelt. So versorgt sich der Sohn einerseits selbst und bietet gleichzeitig dem Vater ein Model an. Wir sprechen in diesem Zusammenhang von der Erschaffung eines Scheinvaters. Dieser Treuevertrag, der zunächst nur als Notprogramm im Dienste der Selbsterhaltung gedacht war, setzt jedoch ungeheure Kräfte und ein Feuer der engagierten Leidenschaftlichkeit frei, die das Kind und später auch den Erwachsenen dazu bringt, jedes erdenkliche Opfer zu bringen, das ganze eigne Sein und Tun in den Dienst dieser genialen Erfindung zu stellen.


Diese in frühen Tagen konstruierte Scheinlösung sicherte zwar die Weiterentwicklung des Kindes, führte aber zwangsläufig zur Entstehung omnipotenter Instanzen mit deren negativen Auswirkungen für das eigene Selbst. Der menschliche Organismus gerät aus der Balance, eine „harmonische Persönlichkeit“ kann sich nicht mehr herausbilden. Die Entwicklung des Scheinvaters hat Verarmung, Verkümmerung und mangelnde Entfaltung anderer Persönlichkeitsanteile zur Folge. Das Kind entwickelt eine Scheinidentität und reduziert sein Selbst auf die passenden Anteile. Das Kind, der Erwachsene erlebt diese jedoch nicht als Schein sondern als ein „So bin ich“. Dieses muss als Illusion erkannt werden, und die darin enthaltene Kraft und Fähigkeit als Eigenes angenommen und reintegriert werden. Dieser Prozess fühlt sich wie ein „Mord“, ein Verrat am Vater an. Doch nur so kann sich der Schatten, der auf den Weg zum selbst liegt, auflösen, kann sich das authentische Selbst entfalten.


Seminar I: Die Aufdeckung und Entschlüsselung des entscheidenden Konfliktpunktes zwischen Vater und Sohn mit Methoden verschiedener Therapierichtungen. Auf diese Weise wird die Bedeutung des Konfliktes für das eigene individuelle Erleben als Mann sichtbar, begreifbar und verstehbar.

Seminar II: Beim Aufdecken der unbewussten Delegationen, Aufträge und Botschaften der männlichen Linie in der Herkunftsfamilie werden deren tiefgreifende Auswirkungen auf das eigene Sein, bzw. Lebensschicksal erfahrbar. Die Rückgabe der weitergebenen Delegationen und Aufträge bedeutet einen ersten Befreiungsschritt.

Seminar III: Zum Schutz des Vaters opfert der Sohn die Entwicklung wesentlicher Persönlichkeitsanteile und entwickelt eine Scheinidentität. Dieses Opfer wird bewusst gemacht, aufgegeben und dann reintegriert.

Seminar IV: Die aufgebaute Scheinidentität wird als umfassende Überlebensstrategie erfahrbar gemacht und verabschiedet. Um den Vater als Leitfigur loszulassen und ein unabhängiges Leben als Mann zu führen, muss der Gewinn der aus der Erschaffung der Scheinidentität erwachsen ist, aufgegeben werden. Der Weg zur echten Identitätsentwicklung ist frei.


Abb.:
Ikarus, der laut der griechischen Sage mit seinem Vater Daedalus zusammen aus der Gefangenschaft unter König Minos auf Kreta entfloh, indem er unter Anleitung seines Vaters Flügel aus Wachs und Federn baute und mit ihm auf diese Weise die Insel verließ. Auf der Flucht wollte er seinen Vater mit seinen fliegerischen Fähigkeiten übertreffen, kam der Sonne zu nahe und stürzte, nachdem seine Flügel geschmolzen waren, vor den Augen seines Vaters ins Meer und ertrank.

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